Wie viele bereits wissen, hatten wir an diesem historischen Tag, dem 1. Mai, einen wichtigen Termin mit unserem allseits geliebten Führer: Unsere schon lang verdiente Salbung und Segnung sollte nun endlich erfolgen.
Jetzt sind wir legitim und somit bereit, die totale Weltherrschaft von Bayern aus an uns zu reißen und die boskopistische Ideologie ganzheitlich zu verbreiten.
Aber nicht nur wir, sondern auch zahlreiche weitere so glorreiche Gaue waren aus allen Teilen Deutschlands angereist, um dem Führer ihr Aufwartung zu machen. Mit unseren zahlreichen Fahnen, Plakaten, Standarten und Wimpel gaben wir ein gar göttliches Bild für alle Anwesenden ab, mal ganz abgesehen davon, dass wir natürlich wiedermal der bestangezogenste schwarze Block waren, sind und bleiben.
Nach 5-stündiger Anreise mit unserem boskopistischen Autokorso erreichten wir gegen 11.00 Uhr Ortszeit unseren Treffpunkt am Thüringer Landtag, wo wir auch kurz darauf von unseren ortsansässigen Kameraden, den „Frontfrüchten Erfurt“ truppenstark und mit Sonnenschein-Laune aufs fruchtigste Willkommen geheißen und mit Stadtplänen und Notfall-Nummern ausgestattet wurden. Alsdann fühlten wir uns stark genug für unsere erste Eroberung: 3 Mädels unseres Traditionsgaus stürmten todesmutig und selbstlos eine kleine Tankstelle mit den Worten: „Grüße Sie, die Apfelfront bittet darum, Ihr Klo benutzen zu dürfen“. Nach verdutzen Blicken und noch verdutzteren Fragen war der Klo-Schlüssel unser und Rangordnungs- bzw. Dringlichkeitsdiskussionen folgten. Unnötigen zu erwähnen, dass die immer länger werdende Schlange sowie unser freundliches Zuwinken auch sogleich Team Green und Team Blue anlockten, welche sich aber leider nicht in der Lage sahen, sich in unserem eigens für Sie mitgebrachten Polizie-Album zu verewigen. Unser Schmusekurs mit den Einsatzkräften mag in Süd-Ost-Bayern bereits legendär sein, hatte sich aber offenbar trotz Ankündigungsschreiben noch nicht bis Erfurt rumgesprochen. Unser Erachtens nach eine fahrlässige Schlamperei auf Seiten von Team Green.
Wie dem auch sei. Etwa eine halbe Stunde später vernahmen wir den lang ersehnten Ruf von Hermann von Gloster alias Tille, der uns abholte und zum Führer geleitete. Geblendet von dessen Anblick fielen wir alle unvermittelt auf die Knie und huldigten ihm hingebungsvoll auf dem Pflaster dieses romantischen Parkplatzes. (Vom Polizeihubschrauber aus war das sicher ein hübscher Anblick^^). Nachdem uns erlaubt wurde, wieder unser Haupt zu erheben und aufzustehen, überreichten wir ein Flasche gar köstlichen Apfelschnaps und die Frontfrüchte Erfurt brachten ein liebliches Ständchen dar. Der Führer war sichtlich gerührt.
Nach Beendigung der Formalitäten begann der entbehrungsreiche Blut-Schweiß-und-Kaffeeentzug-Marsch der Apfelfront durch den Stadtpark, der – zwar bereits in akkustischer Reichweite des Fallobstes – aber jäh in den Fängen eines fiesen grünes Kessels endete. In Anbetracht des Ernstes dieser Lage gaben wir kiloweise Apfelringe aus, um die Kräfte unserer Bewegung zu erhalten und zu kräftigen, tauschten zahlreiche Flieger aus, spielten Musik (u.a. unser heiß geliebtes Bonker-Lied) und händigten Team Green sämtliche Ausweise aus. Punkte auf unsere Payback-Karten bekamen wir allerdings trotz vereinzelter Drogentest und Taschendurchsuchungen nicht. Erfurt ist diesbezüglich wirklich eine Servicewüste.
Auch sollte ein kleiner Zwischenfall, der sich am Rande ereignete nicht verschwiegen werden: Es tauchte eine Mutter mit Kind außerhalb des Kessels auf und schrie ihrem Sohn, offenbar einer der Frontfrüchte, sinngemäß zu: „Junge, du bist um 6 wieder zu Hause, du hast noch Hausaufgaben zu machen und das hier ist keine Ausrede!“ Es folgte ein einzelnes gequältes „Oh, Mann.“ sowie belustigtes Gelächter von Team Green.
Merke: Wenn ihr euch auf alles und jeden vorbereitet, dann rechnet auch den Mami-Faktor mit ein! Mütter sind unberechenbar.
Nachdem der Spaß schon fast vorbei war, traf nun Verstärkung aus Bayern ein, der Gau Franken marschierte auf. Doch kaum in Sichtweite gebot der Führer ihnen aus der Ferne Einhalt und verlangte einen eigenen Kessel für diese. Dieses Privileg wurde zwar verweigert, wir kamen dafür aber quasi ersatzweise alle in den Genuss eines Platzverweises sowie einer eindrucksvolle Polizeieskorte hinaus aus Sektor 3, weg vom Fallobst, hin zu den „gewöhnlichen“ Gegendemonstranten. Team Green muss da irgendwas falsch verstanden haben.
Selbstverständlich hielten wir einen gebührenden Abstand zu den politisch Desorientierten. Nicht zuletzt deshalb, weil diese uns teilweise zunächst für Fallobstler hielten- Hakenkreuze und Äpfel sehn sich ja auch wirklich zum Verwechseln ähnlich. Nachdem wir ein paar unserer Lieblingsparolen propagierten, hatten sie uns aber lieb. Wie hätten sie auch anders können? Klar gabs ein paar verwirrte und mehr oder minder angetrunkene Seelen, aber denen riet unser allseits geliebter Führer in seiner unverblümten Weisheit: „Kauf dir nen Anzug!“ – Darauf wussten sie dann auch nichts mehr zu sagen.
Wo gewaltige Kräfte aufeinandertreffen, da gibt’s auch Reibung. So schlug der Führer kurz nach Mittag einen todesmutigen Plan zur Eroberung der Nazi-Marschroute vor, welcher vom Freistaat Bayern (Gau Süd-Ost-Bayern, Gau Franken) in der Form so nicht akzeptiert werden konnte. Hier ein Gedächtnisprotokoll:
Gaueigener Reichsmarschall Renate: „Wir werden jetzt gauintern darüber abstimmen, wie weit wir damit gehen und dann reden wir nochmal drüber.“
Führer (haareraufend): „Wie? Demokratie? Was ist das hier? Sowas gibt’s nicht.“
RM Renate: „Aber sicher. Schon mal was vom Röhm-Putsch gehört?“
Zugegeben etwas fies, aber unsere Anwälte waren 500 km entfernt. Es folgten lange kontroverse Diskussionen, Querelen, Nervenzusammenbrüche, innige Konsultationen des Stadtplans, Unterredungen mit Ordnungshütern, räumliche Trennungen und letztendlich ein tränenreiche Versöhnung auf einer idyllischen grünen Wiese zwischen Blümchen und Transparenten, wo der Führer eine klärende Ansprache hielt und ein Kompromiss gefunden werden konnte.
Es folgte der Aufbruch Richtung Schillerstraße, wo zahlreiche Parolen gerufen wurden. Mittlerweilen hatten auch unser bunthaarigen Kollegen raus, dass sie nur „Was gibt der deutschen Jugend Kraft?“ zu fragen brauchen, um von uns lauthals die Antwort gebrüllt zu bekommen.
Angekommen gab unser Führer in seiner unendlichen Gnade zahlreiche Interviews gegenüber der anwesenden Presse (natürlich nur mit Bodyguard, der vom Gau Franken gestellt wurde) und bot weiters an, gegen Aufschlag ein paar spektakuläre Gewaltexzesse zumindest nachstellen zu lassen. Nachdem auch wir eine hübsche Rede gehalten und die Frontfrüchte eine Gesangseinlage zum Besten gegeben hatten, wurden uns Orden mit der Aufschrift „Erfurt –Maischlacht 2007“ verliehen. Hach, welch glorreicher Augenblick. Überwältigt von dieser Ehre warf sich unser Reichsmarschall Renate vor dem Führer auf die Knie, klammerte sich fest und dankte diesem überschwänglich, lautstark und tränenreich für diese Auszeichnung. Es gibt Leute, die meinen, den Führer kurz erröten gesehen zu haben, was aber natürlich nicht sein kann.
Gegen 16.00 Uhr verübte der Boskopistische Traditionsgau Süd-Ost-Bayern sodann eine Frontverkürzung in Richtung Landtag, um die Heimreise anzutreten.
Es verbindet uns nun eine liebevolle Rivalitität mit dem Gau Franken. Grüße an dieser Stelle an die Kameraden Sturm und Drang, die mit uns die Verhandlungen bezüglich der Aufteilung des Freistaates Bayern geführt haben. Fallobst ist schließlich genug für uns alle da.
Ganz liebe Grüße auch an die FDÄ Leipzig, die uns unsere temporäre Anwandlung von Eigensinn hoffentlich verzeihen mögen. Aber ihr wisst, wir hatten triftige Gründe und ich darf versichern, dass wir einen Putsch oder gar Königsmord niemals ernsthaft in Erwägung gezogen haben – ganz ehrlich.^^
Heil Boskop!
Resümee:
Einträge ins Polizie-Album: 3
Segnungen vom Führer: 1
Anbetungswürdige Fotos: unzählige
Verliehen bekommene Orden: je 1
Verteilte Apfelringe: ca. 4 kg
Platzverweise: je 1
Payback-Punkte: 0
