Archiv für Mai 2007

Aktion „Apfelbaum anschreien“ – 18. Mai 2007

Mai 19, 2007

Aktion „Apfelbaum anschreien“

Es geschah an einem lauschigen Freitagabend: Eine Gruppe junger Leute in dunkler Kleidung und trotz anbrechender Dunkelheit mit gar schicken Sonnenbrillen angetan marschiert im geradezu beängstigend perfektem Stechschritt gen Sonnenuntergang auf ihren Weg zum Tatort, einem Garten – mit einem Apfelbaum. Mit im Gepäck haben Sie eine Ausnahmegenehmigung zur Fällung, ausgestellt vom Boskopistischen Traditionsgau Süd-Ost-Bayern, unterschrieben von der Gauleiterin höchstpersönlich, sowie einen frisch polierten Original-Boskop-Apfel.

Am Ziel angekommen versammeln sie sich um ihr Opfer, umringen und begutachten es. Ein ehedem prachtvoller Apfelbaum. Aber er muss weg. Begründung eines Mitglieds: „Die Äpfel schmecken nicht mehr. Nicht mal die Pferde mögen die noch.“ Man munkelt außerdem, es gäbe zu viele braune Stellen und vermutet eine Unterwanderung durch Fallobst.

Wie dem auch sei, der Entschluss steht fest, es gibt kein Zurück mehr. Mit Andacht zelebriert die Gruppe den Abschied. Der Reichsmarschall verliest tränenreich ein Gebet und ruft anschließend zu einer Schweigeminute auf. Danach führt der bestangezogenste schwarze Block die jüngst geübte Formation „Gruppenkuscheln“ aus, schmeißt sich an den Baum, hängt sich an die Äste, kuschelt und liebkost ihn. Einige, die weder Tod noch Ameise fürchten lassen sich sogar zu Zungenküssen hinreissen.

Es vergehen Minuten, die einem wie Stunden oder Sekunden vorkommen. Erst dann kann sich die Gruppe von der Rinde lösen und der Bildungsminister nagelt die Ausnahmegenehmigung unter andächtigem Schweigen an den Baum. Man hört vereinzeltes Schniefen – es ist getan.

Doch auf dem Rückweg kommt wieder Stimmung auf. Es werden Parolen gebrüllt, Passanten zum Gruppenkuscheln aufgefordert und neue Formationen einstudiert. Es gibt Leute, die meinen: Die spinnen!. Doch dazu sagt der Traditionsgau: „Das wissen wir und das macht uns ja so gefährlich!“ Ja, sie stehen zu ihrem Wahnsinn und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass sich unterwegs fünf von ihnen in eine wirklich kleine Telefonzelle quetschen, um dort spontan eine Klaustrophobie-Sitzung abzuhalten. Wenig später legt die Gauleiterin den zu diesem Zweck mitgebrachten Boskop-Apfel auf den Boden, woraufhin ihn die Gruppe zur Formation „Huldigung“ umringt, auf die Knie fällt und die Gesichter in den Dreck drückt. Da lockt Leute an, um nicht zu sagen „politisch Desorientierte“. Zitat: „He, was macht ihr denn da, ne Sitzblockade vor ner Telefonzelle?“ – Kunstbanausen!

Zuletzt gabs noch eine „Blätterung“. So eine Art Exekution light. Gaumaler Picassi hatte sich des Hochverrats schuldig gemacht und es dann auch noch gewagt, seiner eigenen Hinrichtung fern zu bleiben, was ein Disziplinarverfahren nach sich zog. Nun sollte er gesteinigt werden. Doch da er noch gebraucht wird, wurde von der Steinigung mit Äpfeln ausnahmsweise mal abgesehen und er stattdessen mit Apfelbaum-Blättern beworfen. Den Zweig musste er natürlich selbst mitbringen.

Tja, so läuft also eine „ganz normale“ Sitzung der Boskopisten ab.

Zum Schluss noch ein Spruch von einem unserer Granatäpfeln:

Humor ist kein Meister aus Deutschland

Lacht kaputt, was euch kaputt macht!

4./5. Mai 2007 – Aktion „Entapfelte Kunst“

Mai 8, 2007

 

Pressemitteilung 5. Mai 2007

 

Wir, der „Boskopistische Traditionsgau Süd-Ost-Bayern“, Ableger der „Front Deutscher Äpfel“ (F.D.Ä.)– der einzig wahren nationalen Kraft in diesem Land – betrachten es als unsere heilige Pflicht, die fehlgeleitete Propaganda von Splittergruppen wie die NPD richtig zu stellen. Deutschland muss von Grund auf entkernt werden!

Nach der Aktion „Braune Nuss“ – unser Sprachrohr für Volk, Fans und Fallobst, der Blickpunkt/Wochenblatt hatte bereits darüber berichtet – führte die FDÄ in der Nacht von Freitag auf Samstag eine Doppelaktion durch:

Aktion „Entapfelte Kunst“:

Nicht wenigen dürfte das gar stillose Propaganda-Verhalten in Form eines hölzernen Aufstellers an der B12 übel aufgestoßen haben. Auf zahlreiche Aufforderungen von uns erklärte sich die NPD nunendlich letzte Woche stillschweigend bereit, es für uns zu weißeln. Das Startsignal für Aktion „Entapfelte Kunst“.

Man beachte die filigrane Linienführung des leicht abstrakt gehaltenen Apfelbildes. Kenner werden auch den darin zum Ausdruck gebrachten ganzheitlichen Expressionismus zu schätzen wissen.

Wir laden daher ausdrücklich zur Freiluftvorstellung „Vernissage am Stadel“ ein. Der Eintritt ist selbstverständlich kostenlos. Machen Sie reichlich Fotos und verbreiten Sie die frohe Kunde vom Apfel der Erkenntnis.

Aktion „Hausbesuch“:

Nachdem sich die NPD weiterhin standhaft weigert, ihre Termine mit uns abzugleichen, haben wir uns zu einem ebenfalls unangekündigten Hausbesuch beim Fallobstvorsitzenden Fridgenius entschlossen, wo wir uns auch sogleich unserer verdienstvollen Propagandamaterialien entledigten und die übrigen Hausbewohner schriftlich auf ihren Nachbarn aufmerksam machten: Deutsche, wohnt nicht neben blöden Nazis!

Macht braunes Fallobst zu Mus!
Dafür lasst uns beten!
Heil Boskop!

Die Gauleitung des Boskopistischen Traditionsgau Süd-Ost-Bayern

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Bei Fridgen (1. Vorsitzender des NPD-Kreisverbands AÖ-MÜ) im Hausflur:

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1. Mai 2007 – Maischlacht in Erfurt

Mai 2, 2007

Wie viele bereits wissen, hatten wir an diesem historischen Tag, dem 1. Mai, einen wichtigen Termin mit unserem allseits geliebten Führer: Unsere schon lang verdiente Salbung und Segnung sollte nun endlich erfolgen.

Jetzt sind wir legitim und somit bereit, die totale Weltherrschaft von Bayern aus an uns zu reißen und die boskopistische Ideologie ganzheitlich zu verbreiten.

Aber nicht nur wir, sondern auch zahlreiche weitere so glorreiche Gaue waren aus allen Teilen Deutschlands angereist, um dem Führer ihr Aufwartung zu machen. Mit unseren zahlreichen Fahnen, Plakaten, Standarten und Wimpel gaben wir ein gar göttliches Bild für alle Anwesenden ab, mal ganz abgesehen davon, dass wir natürlich wiedermal der bestangezogenste schwarze Block waren, sind und bleiben.

Nach 5-stündiger Anreise mit unserem boskopistischen Autokorso erreichten wir gegen 11.00 Uhr Ortszeit unseren Treffpunkt am Thüringer Landtag, wo wir auch kurz darauf von unseren ortsansässigen Kameraden, den „Frontfrüchten Erfurt“ truppenstark und mit Sonnenschein-Laune aufs fruchtigste Willkommen geheißen und mit Stadtplänen und Notfall-Nummern ausgestattet wurden. Alsdann fühlten wir uns stark genug für unsere erste Eroberung: 3 Mädels unseres Traditionsgaus stürmten todesmutig und selbstlos eine kleine Tankstelle mit den Worten: „Grüße Sie, die Apfelfront bittet darum, Ihr Klo benutzen zu dürfen“. Nach verdutzen Blicken und noch verdutzteren Fragen war der Klo-Schlüssel unser und Rangordnungs- bzw. Dringlichkeitsdiskussionen folgten. Unnötigen zu erwähnen, dass die immer länger werdende Schlange sowie unser freundliches Zuwinken auch sogleich Team Green und Team Blue anlockten, welche sich aber leider nicht in der Lage sahen, sich in unserem eigens für Sie mitgebrachten Polizie-Album zu verewigen. Unser Schmusekurs mit den Einsatzkräften mag in Süd-Ost-Bayern bereits legendär sein, hatte sich aber offenbar trotz Ankündigungsschreiben noch nicht bis Erfurt rumgesprochen. Unser Erachtens nach eine fahrlässige Schlamperei auf Seiten von Team Green.

Wie dem auch sei. Etwa eine halbe Stunde später vernahmen wir den lang ersehnten Ruf von Hermann von Gloster alias Tille, der uns abholte und zum Führer geleitete. Geblendet von dessen Anblick fielen wir alle unvermittelt auf die Knie und huldigten ihm hingebungsvoll auf dem Pflaster dieses romantischen Parkplatzes. (Vom Polizeihubschrauber aus war das sicher ein hübscher Anblick^^). Nachdem uns erlaubt wurde, wieder unser Haupt zu erheben und aufzustehen, überreichten wir ein Flasche gar köstlichen Apfelschnaps und die Frontfrüchte Erfurt brachten ein liebliches Ständchen dar. Der Führer war sichtlich gerührt.

Nach Beendigung der Formalitäten begann der entbehrungsreiche Blut-Schweiß-und-Kaffeeentzug-Marsch der Apfelfront durch den Stadtpark, der – zwar bereits in akkustischer Reichweite des Fallobstes – aber jäh in den Fängen eines fiesen grünes Kessels endete. In Anbetracht des Ernstes dieser Lage gaben wir kiloweise Apfelringe aus, um die Kräfte unserer Bewegung zu erhalten und zu kräftigen, tauschten zahlreiche Flieger aus, spielten Musik (u.a. unser heiß geliebtes Bonker-Lied) und händigten Team Green sämtliche Ausweise aus. Punkte auf unsere Payback-Karten bekamen wir allerdings trotz vereinzelter Drogentest und Taschendurchsuchungen nicht. Erfurt ist diesbezüglich wirklich eine Servicewüste.

Auch sollte ein kleiner Zwischenfall, der sich am Rande ereignete nicht verschwiegen werden: Es tauchte eine Mutter mit Kind außerhalb des Kessels auf und schrie ihrem Sohn, offenbar einer der Frontfrüchte, sinngemäß zu: „Junge, du bist um 6 wieder zu Hause, du hast noch Hausaufgaben zu machen und das hier ist keine Ausrede!“ Es folgte ein einzelnes gequältes „Oh, Mann.“ sowie belustigtes Gelächter von Team Green.

Merke: Wenn ihr euch auf alles und jeden vorbereitet, dann rechnet auch den Mami-Faktor mit ein! Mütter sind unberechenbar.

Nachdem der Spaß schon fast vorbei war, traf nun Verstärkung aus Bayern ein, der Gau Franken marschierte auf. Doch kaum in Sichtweite gebot der Führer ihnen aus der Ferne Einhalt und verlangte einen eigenen Kessel für diese. Dieses Privileg wurde zwar verweigert, wir kamen dafür aber quasi ersatzweise alle in den Genuss eines Platzverweises sowie einer eindrucksvolle Polizeieskorte hinaus aus Sektor 3, weg vom Fallobst, hin zu den „gewöhnlichen“ Gegendemonstranten. Team Green muss da irgendwas falsch verstanden haben.

Selbstverständlich hielten wir einen gebührenden Abstand zu den politisch Desorientierten. Nicht zuletzt deshalb, weil diese uns teilweise zunächst für Fallobstler hielten- Hakenkreuze und Äpfel sehn sich ja auch wirklich zum Verwechseln ähnlich. Nachdem wir ein paar unserer Lieblingsparolen propagierten, hatten sie uns aber lieb. Wie hätten sie auch anders können? Klar gabs ein paar verwirrte und mehr oder minder angetrunkene Seelen, aber denen riet unser allseits geliebter Führer in seiner unverblümten Weisheit: „Kauf dir nen Anzug!“ – Darauf wussten sie dann auch nichts mehr zu sagen.

Wo gewaltige Kräfte aufeinandertreffen, da gibt’s auch Reibung. So schlug der Führer kurz nach Mittag einen todesmutigen Plan zur Eroberung der Nazi-Marschroute vor, welcher vom Freistaat Bayern (Gau Süd-Ost-Bayern, Gau Franken) in der Form so nicht akzeptiert werden konnte. Hier ein Gedächtnisprotokoll:

Gaueigener Reichsmarschall Renate: „Wir werden jetzt gauintern darüber abstimmen, wie weit wir damit gehen und dann reden wir nochmal drüber.“
Führer (haareraufend): „Wie? Demokratie? Was ist das hier? Sowas gibt’s nicht.“
RM Renate: „Aber sicher. Schon mal was vom Röhm-Putsch gehört?“

Zugegeben etwas fies, aber unsere Anwälte waren 500 km entfernt. Es folgten lange kontroverse Diskussionen, Querelen, Nervenzusammenbrüche, innige Konsultationen des Stadtplans, Unterredungen mit Ordnungshütern, räumliche Trennungen und letztendlich ein tränenreiche Versöhnung auf einer idyllischen grünen Wiese zwischen Blümchen und Transparenten, wo der Führer eine klärende Ansprache hielt und ein Kompromiss gefunden werden konnte.

Es folgte der Aufbruch Richtung Schillerstraße, wo zahlreiche Parolen gerufen wurden. Mittlerweilen hatten auch unser bunthaarigen Kollegen raus, dass sie nur „Was gibt der deutschen Jugend Kraft?“ zu fragen brauchen, um von uns lauthals die Antwort gebrüllt zu bekommen.

Angekommen gab unser Führer in seiner unendlichen Gnade zahlreiche Interviews gegenüber der anwesenden Presse (natürlich nur mit Bodyguard, der vom Gau Franken gestellt wurde) und bot weiters an, gegen Aufschlag ein paar spektakuläre Gewaltexzesse zumindest nachstellen zu lassen. Nachdem auch wir eine hübsche Rede gehalten und die Frontfrüchte eine Gesangseinlage zum Besten gegeben hatten, wurden uns Orden mit der Aufschrift „Erfurt –Maischlacht 2007“ verliehen. Hach, welch glorreicher Augenblick. Überwältigt von dieser Ehre warf sich unser Reichsmarschall Renate vor dem Führer auf die Knie, klammerte sich fest und dankte diesem überschwänglich, lautstark und tränenreich für diese Auszeichnung. Es gibt Leute, die meinen, den Führer kurz erröten gesehen zu haben, was aber natürlich nicht sein kann.

Gegen 16.00 Uhr verübte der Boskopistische Traditionsgau Süd-Ost-Bayern sodann eine Frontverkürzung in Richtung Landtag, um die Heimreise anzutreten.

Es verbindet uns nun eine liebevolle Rivalitität mit dem Gau Franken. Grüße an dieser Stelle an die Kameraden Sturm und Drang, die mit uns die Verhandlungen bezüglich der Aufteilung des Freistaates Bayern geführt haben. Fallobst ist schließlich genug für uns alle da.

Ganz liebe Grüße auch an die FDÄ Leipzig, die uns unsere temporäre Anwandlung von Eigensinn hoffentlich verzeihen mögen. Aber ihr wisst, wir hatten triftige Gründe und ich darf versichern, dass wir einen Putsch oder gar Königsmord niemals ernsthaft in Erwägung gezogen haben – ganz ehrlich.^^

Heil Boskop!

Resümee:
Einträge ins Polizie-Album: 3
Segnungen vom Führer: 1
Anbetungswürdige Fotos: unzählige
Verliehen bekommene Orden: je 1
Verteilte Apfelringe: ca. 4 kg
Platzverweise: je 1
Payback-Punkte: 0

 

 

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