Ja, er war da! Sein Erlauchtheit Hans von Öbingen, seines Zeichens ehrwürdiger Gauleiter von Thüringen und diesmal in Mission und daher Gesandter des allseits geliebten Führers (und damit quasi Jesus) hat uns die Ehre seines Besuchs beschert. Gedankt sei Boskop!
In seiner unendlichen Güte erlaubte Herr von Öbingen dem Bahnpersonal trotz Bahnstreik ihn nach München zu transportieren, wo wir ihn heil und fruchtig im Verlauf einer Nacht-und-Nebel-Aktion am dortigen Hauptreichsbahnhof in Empfang nehmen durften. Auf Grund der widrigen Witterung verlegten wir die Begrüßungszeremonie allerdings auf einen späteren Zeitpunkt, ließen es uns jedoch nicht nehmen, mit unseren Gast zu dessen Schrecken gleich vor Ort noch ordentlich gruppenzukuscheln. Oder besser, er wurde gruppengekuschelt, denn HvÖ zierte sich etwas angesichts des innigen Körperkontakts mit uns Bayern. Sein verächtlicher Tonfall konnten jedenfalls wunderbar ignoriert und weggeknuddelt werden. Um ehrlich zu sein, es ist zu vermuten, er hat irgendwann gefallen dran gefunden, denn bei späteren Kuschelaktionen wehrte er sich kaum noch.
Sodann ging´s per Autokorso in das 82-Sterne-Mostel des Herrn Kopancek, wo wir bereits sehnsüchtig von dessen Familie, einem explosionsartig durchs Haus schießenden Kater und dem dampfenden Abendessen erwartet wurden. Nach Hissung des Frontbanners über unseren Köpfe und Bewunderung ob der opulenten Tischdeko in Form von kunstvoll verzierten rotbackigen Äpfeln mit FDÄ-Gravur sowie Bayern- und Thüringen-Fähnchen auf diesen, konnte mit dem Tischgebet begonnen werden. Auch hier musste leicht auf die Willensbildung von HvÖ eingewirkt werden. Ab da stand einer vorzüglichen Speisung nichts mehr im Weg und so konnten gut gestärkt die Begrüßungszeremonie nachgeholt werden, in dessen Rahmen Reichsmarschall Carlos Aventura eine rührend Ansprache hielt. So rührend, dass wir sie einfach mit erneutem Gruppenkuschel krönen mussten.
Danach stand unserem Gast nach Alkohol, nach viel Alkohol. Und so wurde bald heiter gefeiert, geschunkelt, gemobbt und aufgewischt … bis er soweit war. MUAHAHAHAHA
Mehr oder weniger willig verbrachten wir HvÖ mit halb geschlossenen Augen auf eine Bank vor dem FDÄ-Banner. An beiden Seiten postierten sich vermummte Sicherheitskräfte des Gau und unser Opfer bekam ein Schild mit der Aufschrift „Seit 2 Tagen Gefangener der RÄF“ in die Hand gedrückt (wir hatten erwartet, dass wir ihn erst am nächsten Tag soweit hätten^^). Es folgten ein paar gar göttliche Fotos für unsere Galerie, bis er lachend am Boden kringelte… auch davon gibt´s selbstverständlich reichlich Bilder.
Zur Belohnung wurden noch mehr Erzeugnisse der bayerischen Braukunst aufgetischt sowie diverse Apfelweine, Sekt und später standesgemäß Bratäpfel bei heiteren Diskussionen und Partygesäusel verkostet. Ein rundum gelungener Abend bis wir unseren Gast vermissten. Nach kurzer Suche wurden wir im Wohnzimmer fündig und wenngleich wir ihm ursprünglich ein Bett offeriert hatten, hatte es sich Erfurts Gauleiter bereits auf dem Perserteppich gemütlich gemacht. In unserer Fürsorglichkeit decken wir ihn noch mit dem FDÄ-Banner zu, was angesichts seiner Lage eher an ein Staatsbegräbnis erinnerte, und zogen uns einige Stunden später auch selbst zurück.
Der nächste Morgen begann gemächlich. Bei Brötchen und Hitler-Bildband wurde der Tagesplan besprochen und die Schäden der vorabendlichen Aktivitäten begutachtet. Während HvÖ mehr und mehr der Drang nach weltvernetzten Aktivitäten plagte. So wurden also erstmal die Ergebnisse der RÄF-Fotosession nach Erfurt ge-e-postet. Alsdann nahm unser Gast unter dem Vorwand, Heimweh zu haben, Kontakt zu seinem Gau auf. Die dabei ausgetauschten Hilferufe wurden selbstverständlich rigoros mit totaaaaler handgreiflicher Zensur unterbunden. Das Gefecht dauerte Tage, wenn nicht Stunden oder gar 10 Minuten an und endete mit zahlreichen blauen Flecken und der Erkenntnis, dass es nun Zeit für HvÖs Auslauf wird.
Unser Reiseleiter Kringelleiter Pavel Picassi traf wie immer überpünktlich ein und so konnten wir noch vergnügt auf die Jagd nach Fallobstler, (die sich allerdings später als Oi-Skins herausstellten) gehen und begannen unsere Münchner Besichtigungstour nach dem Mittagessen. Hier nur einige der Stationen, über die uns Picassi auf unserem Gewaltmarsch durch die Innenstadt führte:
- das Weiße Rose Denkmal
- das Polizeipräsidium in der Ettstraße (nach unserem Betriebsausflug definitiv geschichtsträchtig)
- die Feldherrnhalle samt Drückebergergasse
- und die Frauenkirche, in der wir 82 Kerzen zum Wohle unseres geliebten Führers entzündeten.
Nachdem unser Gast nun genug Auslauf und frische gesunde urbayerische Luft genießen konnte veranstalteten wir am späten Nachmittag eine sage und schreibe insgesamt 6-stündige Blut-Schweiß-und-Tränen-Gausitzung in dessen Verlauf der Traditionsgau erfolgreich umstrukturiert werden konnte, um die baldige Weltherrschaft zu sichern. Allerdings blieb unser Treffen ganz offenbar nicht unbemerkt, denn feindlich gesinnte Schneeballkinder aus der Nachbarschaft hatten sich angepirscht und attackierten unsere Sitzungsräumlichkeiten. Doch auch dafür ward bald eine Endlösung gefunden: Sicherheitsbeauftragter Gotthart Hilf wurde mit Kutschermantel und Sturmmaske ausgestattet in den Straßenkampf entsandt. Angst hatten unsere Angreifer wohl nicht, aber laufen konnten sie und so bleibt uns nur zu vermuten, dass diese sicherlich nie wieder einen Schneeball anrühren werden.
Erschöpft aber glücklich erfolgte zu vorgerückter Stunde die Deportation gen Residenz des Reichsmarschall, wo HvÖ unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen für seine zweite Nacht unterbracht wurde und offenbar auch gut behütet schlief, denn er ward erst gegen Sonntagmittag wieder gesehen, als er auf der Suche nach geplätteten Weizenstücken durch die Küche schlurfte und den außerordentlichen Milchvorrat bewunderte. Ja, da war der BDM mal wieder fleissig.
Zum verspäteten Mittagessen ging´s dann wieder nach München, wo wir aus konspirativen Gründen spontan ein Lokal mit südfruchtigem Hintergrund aufsuchten, HvÖ ordentlich stärkten, um ihn im Anschluss daran sogleich zum Reichshauptbahnhof zu bringen. Selbstverständlich ließen wir unseren Gast erst nach ausgeprägter Überprüfung des Zugabteils einsteigen, wo er allerdings dann lediglich seinen Koffer am Platz deponierte und mit uns wieder ausstieg, um uns wehmütig und tränenreich in die Arme zu fallen. Gerne wär er länger oder gar auf Dauer geblieben, aber sein Gau hatte ihm – vorgeblich aus Sicherheitsgründen – einen Hooligan mit nach München geschickt, der seine Rückreise überwachen soll. Diesen Einmannschlägertrupp im Genick sahen wir uns außer Stande, ihm Asyl in unserem Gau zu gewähren und mussten ihn wohl oder übel seinem Schicksal in der thüringischen Provinz überlassen.
Zurück bleiben ein paar wirklich schöne Erinnerungen und eine gestärkte diplomatische Verbindung zu unserem neuen Lieblingsgau Erfurt. Hans von Öbingen wir lieben dich! Nie war der Besuch eines Botschafter oder Gauleiters in unserem bayerischen Gau schöner, blumiger, hochprozentiger als an jenem Wochenende im November des Jahre 2007 n.B.
Heil Boskop!