Archiv für November 2007

Besuch des Erfurter Gauleiters beim Boskopistischen Traditionsgau Bayern – 16. – 18. November 2007

November 28, 2007

Ja, er war da! Sein Erlauchtheit Hans von Öbingen, seines Zeichens ehrwürdiger Gauleiter von Thüringen und diesmal in Mission und daher Gesandter des allseits geliebten Führers (und damit quasi Jesus) hat uns die Ehre seines Besuchs beschert. Gedankt sei Boskop!

In seiner unendlichen Güte erlaubte Herr von Öbingen dem Bahnpersonal trotz Bahnstreik ihn nach München zu transportieren, wo wir ihn heil und fruchtig im Verlauf einer Nacht-und-Nebel-Aktion am dortigen Hauptreichsbahnhof in Empfang nehmen durften. Auf Grund der widrigen Witterung verlegten wir die Begrüßungszeremonie allerdings auf einen späteren Zeitpunkt, ließen es uns jedoch nicht nehmen, mit unseren Gast zu dessen Schrecken gleich vor Ort noch ordentlich gruppenzukuscheln. Oder besser, er wurde gruppengekuschelt, denn HvÖ zierte sich etwas angesichts des innigen Körperkontakts mit uns Bayern. Sein verächtlicher Tonfall konnten jedenfalls wunderbar ignoriert und weggeknuddelt werden. Um ehrlich zu sein, es ist zu vermuten, er hat irgendwann gefallen dran gefunden, denn bei späteren Kuschelaktionen wehrte er sich kaum noch.

Sodann ging´s per Autokorso in das 82-Sterne-Mostel des Herrn Kopancek, wo wir bereits sehnsüchtig von dessen Familie, einem explosionsartig durchs Haus schießenden Kater und dem dampfenden Abendessen erwartet wurden. Nach Hissung des Frontbanners über unseren Köpfe und Bewunderung ob der opulenten Tischdeko in Form von kunstvoll verzierten rotbackigen Äpfeln mit FDÄ-Gravur sowie Bayern- und Thüringen-Fähnchen auf diesen, konnte mit dem Tischgebet begonnen werden. Auch hier musste leicht auf die Willensbildung von HvÖ eingewirkt werden. Ab da stand einer vorzüglichen Speisung nichts mehr im Weg und so konnten gut gestärkt die Begrüßungszeremonie nachgeholt werden, in dessen Rahmen Reichsmarschall Carlos Aventura eine rührend Ansprache hielt. So rührend, dass wir sie einfach mit erneutem Gruppenkuschel krönen mussten.
Danach stand unserem Gast nach Alkohol, nach viel Alkohol. Und so wurde bald heiter gefeiert, geschunkelt, gemobbt und aufgewischt … bis er soweit war. MUAHAHAHAHA

Mehr oder weniger willig verbrachten wir HvÖ mit halb geschlossenen Augen auf eine Bank vor dem FDÄ-Banner. An beiden Seiten postierten sich vermummte Sicherheitskräfte des Gau und unser Opfer bekam ein Schild mit der Aufschrift „Seit 2 Tagen Gefangener der RÄF“ in die Hand gedrückt (wir hatten erwartet, dass wir ihn erst am nächsten Tag soweit hätten^^). Es folgten ein paar gar göttliche Fotos für unsere Galerie, bis er lachend am Boden kringelte… auch davon gibt´s selbstverständlich reichlich Bilder.

Zur Belohnung wurden noch mehr Erzeugnisse der bayerischen Braukunst aufgetischt sowie diverse Apfelweine, Sekt und später standesgemäß Bratäpfel bei heiteren Diskussionen und Partygesäusel verkostet. Ein rundum gelungener Abend bis wir unseren Gast vermissten. Nach kurzer Suche wurden wir im Wohnzimmer fündig und wenngleich wir ihm ursprünglich ein Bett offeriert hatten, hatte es sich Erfurts Gauleiter bereits auf dem Perserteppich gemütlich gemacht. In unserer Fürsorglichkeit decken wir ihn noch mit dem FDÄ-Banner zu, was angesichts seiner Lage eher an ein Staatsbegräbnis erinnerte, und zogen uns einige Stunden später auch selbst zurück.

Der nächste Morgen begann gemächlich. Bei Brötchen und Hitler-Bildband wurde der Tagesplan besprochen und die Schäden der vorabendlichen Aktivitäten begutachtet. Während HvÖ mehr und mehr der Drang nach weltvernetzten Aktivitäten plagte. So wurden also erstmal die Ergebnisse der RÄF-Fotosession nach Erfurt ge-e-postet. Alsdann nahm unser Gast unter dem Vorwand, Heimweh zu haben, Kontakt zu seinem Gau auf. Die dabei ausgetauschten Hilferufe wurden selbstverständlich rigoros mit totaaaaler handgreiflicher Zensur unterbunden. Das Gefecht dauerte Tage, wenn nicht Stunden oder gar 10 Minuten an und endete mit zahlreichen blauen Flecken und der Erkenntnis, dass es nun Zeit für HvÖs Auslauf wird.

Unser Reiseleiter Kringelleiter Pavel Picassi traf wie immer überpünktlich ein und so konnten wir noch vergnügt auf die Jagd nach Fallobstler, (die sich allerdings später als Oi-Skins herausstellten) gehen und begannen unsere Münchner Besichtigungstour nach dem Mittagessen. Hier nur einige der Stationen, über die uns Picassi auf unserem Gewaltmarsch durch die Innenstadt führte:

  • das Weiße Rose Denkmal
  • das Polizeipräsidium in der Ettstraße (nach unserem Betriebsausflug definitiv geschichtsträchtig)
  • die Feldherrnhalle samt Drückebergergasse
  • und die Frauenkirche, in der wir 82 Kerzen zum Wohle unseres geliebten Führers entzündeten.

Nachdem unser Gast nun genug Auslauf und frische gesunde urbayerische Luft genießen konnte veranstalteten wir am späten Nachmittag eine sage und schreibe insgesamt 6-stündige Blut-Schweiß-und-Tränen-Gausitzung in dessen Verlauf der Traditionsgau erfolgreich umstrukturiert werden konnte, um die baldige Weltherrschaft zu sichern. Allerdings blieb unser Treffen ganz offenbar nicht unbemerkt, denn feindlich gesinnte Schneeballkinder aus der Nachbarschaft hatten sich angepirscht und attackierten unsere Sitzungsräumlichkeiten. Doch auch dafür ward bald eine Endlösung gefunden: Sicherheitsbeauftragter Gotthart Hilf wurde mit Kutschermantel und Sturmmaske ausgestattet in den Straßenkampf entsandt. Angst hatten unsere Angreifer wohl nicht, aber laufen konnten sie und so bleibt uns nur zu vermuten, dass diese sicherlich nie wieder einen Schneeball anrühren werden.

Erschöpft aber glücklich erfolgte zu vorgerückter Stunde die Deportation gen Residenz des Reichsmarschall, wo HvÖ unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen für seine zweite Nacht unterbracht wurde und offenbar auch gut behütet schlief, denn er ward erst gegen Sonntagmittag wieder gesehen, als er auf der Suche nach geplätteten Weizenstücken durch die Küche schlurfte und den außerordentlichen Milchvorrat bewunderte. Ja, da war der BDM mal wieder fleissig.

Zum verspäteten Mittagessen ging´s dann wieder nach München, wo wir aus konspirativen Gründen spontan ein Lokal mit südfruchtigem Hintergrund aufsuchten, HvÖ ordentlich stärkten, um ihn im Anschluss daran sogleich zum Reichshauptbahnhof zu bringen. Selbstverständlich ließen wir unseren Gast erst nach ausgeprägter Überprüfung des Zugabteils einsteigen, wo er allerdings dann lediglich seinen Koffer am Platz deponierte und mit uns wieder ausstieg, um uns wehmütig und tränenreich in die Arme zu fallen. Gerne wär er länger oder gar auf Dauer geblieben, aber sein Gau hatte ihm – vorgeblich aus Sicherheitsgründen – einen Hooligan mit nach München geschickt, der seine Rückreise überwachen soll. Diesen Einmannschlägertrupp im Genick sahen wir uns außer Stande, ihm Asyl in unserem Gau zu gewähren und mussten ihn wohl oder übel seinem Schicksal in der thüringischen Provinz überlassen.

Zurück bleiben ein paar wirklich schöne Erinnerungen und eine gestärkte diplomatische Verbindung zu unserem neuen Lieblingsgau Erfurt. Hans von Öbingen wir lieben dich! Nie war der Besuch eines Botschafter oder Gauleiters in unserem bayerischen Gau schöner, blumiger, hochprozentiger als an jenem Wochenende im November des Jahre 2007 n.B.

Heil Boskop!

3. November 2007 Fallobstdemo in Augsburg

November 11, 2007

Es ist vollbracht. Wie viele andere Städte unseres geliebten 82. Reiches, ist auch Augsburg nun unter unsere Kontrolle gebracht. Unser Einmarsch wurde wie gewohnt vom Volk umjubelt.

Gleich vorweg: Wenn ihr vor einer Neonazi-Demo einen Treffpunkt am Münchner Hauptbahnhof vereinbart, dann denkt bitte daran, dass sowohl Antifanten, als auch Fallobstler auf dieselbe Idee gekommen sein könnten. So geschehen am Morgen des 3. November. Aber wenigstens patroulierte Team Green zwischen den sich scheel von der Seite musternden Gruppen. Als wir uns dann davon belustigt zum Frühstück zurückzogen, wurden wir gleich mal von unseren grünen Freunden kontrolliert. Trotz der Bemerkung unseres Herrn Kopancek: „Ähm, kann es sein, dass ich der einzige noch Unbefleckte in dieser Runde bin?“, bekamen wir unsere Ausweise dennoch wieder ausgehändigt und sahnten gleich noch nen Eintrag in unser hochbegehrtes Polizie-Album ab.

Fruchtige Grüße an dieser Stelle an die Jungs und Mädels der Polizei München, die es sich nicht nehmen ließen, uns mit der Reichsbahn sogar noch bis Augsburg zu begleiten. ;-)

In der Fuggerstadt angekommen durften wir zu unserer Freude feststellen, dass der Einsatzleiter dersselbe wie auf der Dorfener Demo am 31. März war und sich an uns erinnerte. Überhaupt, dafür dass wir bisher Augsburg noch nicht eingekommen hatten, war der Bekanntheitsgrad sowohl bei Team Green, als auch den anderen Gegendemonstranten überwältigend hoch. Ganz offenbar eilt uns unser Ruf voraus. Aber nichts anderes hatten wir erwartet, schließlich reicht unser Größenwahn weit über die Grenzen von 1938 hinaus, warum dann nicht auch unsere glorreichen Heldentaten über die Stadtgrenzen von München hinaus.

Wenig später trafen wir auch schon auf unsere geliebte Kringelleiterin Augsburgs, die uns auch gleich über die topografischen Gegebenheiten, strategischen Möglichkeiten des Frontangriffs und die Tatsache aufklärte, dass Team Green das gesamte Fallobst derzeit in aus Absperrungen gebauten Käfigen aufbewahrt. Eine wundervolle Idee, die meinetwegen ruhig Nachahmer finden darf – nicht nur auf Demos.

Natürlich haben die Saftsäcke noch nichts von deutscher Pünktlichkeit gehört, so dass wir reichlich Zeit hatten, anständige knackige (und natürlich nur aus deutschen Landen stammende) Äpfel zu besorgen. Auf Anraten von Team Green brachten wir diese jedoch noch lange vor Nazi unter die ausgehungerten Gegendemonstranten und das Konzept ging auf, denn schon bald war die Straße übersät mit Apfelbutz´n und das Volk gestärkt für den Kampf. Eine Dame verdient besondere Erwähnung, denn sie wurde nicht nur von uns mit der universalen Kraft des Apfels ausgestattet, nein, sondern auch von der Antifa mit der Kraft des Gerstensaftes und der Kraft von etwas Selbstgedrehtem. Danach ging die Post mal so richtig ab – die Gute stahl uns doch glatt lautstark die Show. Das konnten wir natürlich nicht zulassen und so gaben wir ihr einen Flieger in die Hand, damit ihrem Leben einen neuen Sinn, und schon wurde halb Augsburg von ihr über den Nährwert eines guten deutschen Apfels aufgeklärt.

Zwei, mit viel die umstehende Bevölkerung erheiternden und mordsmäßig motivierenden Hitlersport (Dank an dieser Stelle unseren strammen Kameraden aus Franken, die mit dieser Kampftechnik bereits FDÄ-Geschichte geschrieben haben), ausgefüllte Stunden später war es endlich soweit. Fallobstler diverser braunen Splittergruppen marschierten auf und dabei sind uns zwei Dinge ganz enorm aufgefallen:

1. Der Nazi von heute trägt Haar. Ja, es darf wieder frisiert werden – Mut zur Frisur! Dennoch ist an einigen verirrten Mitläufern dieser Trend offenbar vorbeigegangen und so liefen diese entarteten Exemplare dem Look der letzten Saison entsprechend in bestimmt ziemlich anstrengend zu schnürenden Hüpferstiefeln, Stahlkappen-Ballerinas und zugiger Kopfbedeckung auf. Der frustriert verbitterte Blick ist aber auch in dieses Jahr wieder modisch, scheint ein zeitloser Dauerbrenner zu sein.

2. Den Nazis geht zudem ganz offenbar das Personal aus. Möglicherweise ist dieser Umstand auf die quasi nicht existente Frauenquote zurückzuführen. Nicht nur, dass eigentlich wesentlich mehr gärendes Fallobst erwartet wurde, es war auch glatt der fast identische Wanderzirkus wie immer da.

Aber so „schnell“ sie auch gekommen waren, noch schneller waren sie dann wieder fort. Da wir aber nicht mal ansatzweise Gelegenheit hatten, unser Programm abzuspulen, nahmen wir selbstverständlich umgehend die Verfolgung auf. Anfangs liefen wir noch von einem Polizeikessel in den nächsten, von unserem holden Reichsmarschall Renate auch liebevoll „Kreis des Vertrauens“ genannt, aber bald hatten wir den Bogen raus, denn jedes Mal, wenn wir in Angesicht von Team Green schweißtreibenden Hitlersport betrieben, löste sich die grüne Mauer plötzlich auf, womöglich animiert von unserem zackig-knackigen Stechschritt und unseren wahrlich furchteinflössenden und vor Saft nur so strotzenden Parolen.

Später entschloss sich das Fallobst zu einem ausgeprägten Gärungsprozess in Form einer Kundgebung, zumindest nannten die es so. Doch leider leider war der Sprecher zum Großteil durch das Schnoddern des tieffliegenden Polizeihubschrauber nicht wirklich noch vernehmbar. Wir sind überzeugt, dass uns dadurch unglaublich monumentale Reden entgangen sind, die vermutlich unser ganzes Denken und Leben verändert hätten. Wir waren wahrhaft am Boden zerstört und können nur mutmaßen, welchem tiefgreifender Inhalt wir beraubt wurden.

Das Fallobst hatte diesmal für seine Mottoparty das Thema „Stoppt den Überwachungsstaat!“ ausgewählt. Nach zuvor fernsprechgerätetechnischer Rücksprache mit unserem einzig-einen Führer Alf Thum – möge sein Kühlschrank immer gefüllt sein -, erklärte Reichsmarschall Renate die Nazi-Demo dann auch mit sofortiger Wirkung für beendet und skandierte lautstark FÜR den Überwachungsstaat, was uns hier und dort zwar zuerst einige leicht irritierte Blicke einbrachte, bald aber belustigte Anhänger fand.

Als uns auch das zu langweilig wurde, änderten wir unsere Strategie gründlich. So führte uns unsere geliebte Augsburger Kringelleiterin furchtlos mit einem Gewaltmarsch durch die gefährlichen Straßenschluchten der Fuggerstadt, zeigte uns unsrem Bildungsauftrag gemäß ganz nebenbei noch die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, um gleichsam den braunen Pöbel zu umrunden, so dass fortan das Fallobst standesgemäß zu uns kommen musste (und nicht länger andersrum).

Zuletzt warteten wir ab ca. 18 Uhr lässig bei Frappucino und Plausch in einem Café am Bahnhof auf das Eintreffen des mittlerweilen tiefgefrorenen Fallobsts, da die Demo vorzeitig beendet wurde – hatte Herrn Polt und seinen Spielkameraden wohl nicht so viel Spaß gemacht wie uns. Wir haben uns selbstverständlich nicht nehmen lassen, ihre Deportation gestärkt und aufgewärmt noch mit reichlich Parolen zu versüßen.

Als wir Augsburg schon nahezu nazifrei wähnten, gesellten sich noch zwei junge Männer im antifaähnlichen Look (sowie gleich darauf noch zwei Team Greenler) zu unserer Gesprächsrunde vor dem Café. Sie erkundigten sich nach Armbinden, Mitgliedschaft etc., hatten jedoch nach wenigen Minuten ihr Coming out. Es handelte sich bei ihnen um Mike Nwaiser (Nationales München) + schweigender Mitläufer.

Nachdem Herr Nwaiser geschickt jeder das rechte Spektrum in Bedrängnis bringender Frage nach Holocaust etc. ausgewichen ist und in hübsche Worte verpackte Muspropaganda abgelassen hat, ließ er uns noch großzügiger Weise kostenlose Nachhilfestunde in Sachen Rassenlehre zukommen: „Jede Farbe ist einzigartig, aber wenn sich die Farben mischen, haben wir nur noch eine Farbe. Dann ist sie doch nichts besonderes mehr.“ Wie uns ein Informant aus der linken Szene dann mitteilte, war der Großvater unseres Gesprächspartner Palästinenser. Darauf angesprochen, bestätigte Herr Nwaiser dies sogar: „Ja, aber das ist doch ganz was anderes“.

Man mag es nicht glauben, aber es gibt tatsächlich Momente, da fehlen sogar unserem eloquenten „Minister für die Reinerhaltung des Deutschen Obstbestandes“ die Worte – auch eine ganz neue Erfahrung für uns^^.

Heil Boskop!

P.S. Nach eigener Aussage beabsichtigt das Fallobst wiederzukommen. Doch Augsburg keine Panik – wir auch!