Es ist vollbracht. Wie viele andere Städte unseres geliebten 82. Reiches, ist auch Augsburg nun unter unsere Kontrolle gebracht. Unser Einmarsch wurde wie gewohnt vom Volk umjubelt.
Gleich vorweg: Wenn ihr vor einer Neonazi-Demo einen Treffpunkt am Münchner Hauptbahnhof vereinbart, dann denkt bitte daran, dass sowohl Antifanten, als auch Fallobstler auf dieselbe Idee gekommen sein könnten. So geschehen am Morgen des 3. November. Aber wenigstens patroulierte Team Green zwischen den sich scheel von der Seite musternden Gruppen. Als wir uns dann davon belustigt zum Frühstück zurückzogen, wurden wir gleich mal von unseren grünen Freunden kontrolliert. Trotz der Bemerkung unseres Herrn Kopancek: „Ähm, kann es sein, dass ich der einzige noch Unbefleckte in dieser Runde bin?“, bekamen wir unsere Ausweise dennoch wieder ausgehändigt und sahnten gleich noch nen Eintrag in unser hochbegehrtes Polizie-Album ab.
Fruchtige Grüße an dieser Stelle an die Jungs und Mädels der Polizei München, die es sich nicht nehmen ließen, uns mit der Reichsbahn sogar noch bis Augsburg zu begleiten.
In der Fuggerstadt angekommen durften wir zu unserer Freude feststellen, dass der Einsatzleiter dersselbe wie auf der Dorfener Demo am 31. März war und sich an uns erinnerte. Überhaupt, dafür dass wir bisher Augsburg noch nicht eingekommen hatten, war der Bekanntheitsgrad sowohl bei Team Green, als auch den anderen Gegendemonstranten überwältigend hoch. Ganz offenbar eilt uns unser Ruf voraus. Aber nichts anderes hatten wir erwartet, schließlich reicht unser Größenwahn weit über die Grenzen von 1938 hinaus, warum dann nicht auch unsere glorreichen Heldentaten über die Stadtgrenzen von München hinaus.
Wenig später trafen wir auch schon auf unsere geliebte Kringelleiterin Augsburgs, die uns auch gleich über die topografischen Gegebenheiten, strategischen Möglichkeiten des Frontangriffs und die Tatsache aufklärte, dass Team Green das gesamte Fallobst derzeit in aus Absperrungen gebauten Käfigen aufbewahrt. Eine wundervolle Idee, die meinetwegen ruhig Nachahmer finden darf – nicht nur auf Demos.
Natürlich haben die Saftsäcke noch nichts von deutscher Pünktlichkeit gehört, so dass wir reichlich Zeit hatten, anständige knackige (und natürlich nur aus deutschen Landen stammende) Äpfel zu besorgen. Auf Anraten von Team Green brachten wir diese jedoch noch lange vor Nazi unter die ausgehungerten Gegendemonstranten und das Konzept ging auf, denn schon bald war die Straße übersät mit Apfelbutz´n und das Volk gestärkt für den Kampf. Eine Dame verdient besondere Erwähnung, denn sie wurde nicht nur von uns mit der universalen Kraft des Apfels ausgestattet, nein, sondern auch von der Antifa mit der Kraft des Gerstensaftes und der Kraft von etwas Selbstgedrehtem. Danach ging die Post mal so richtig ab – die Gute stahl uns doch glatt lautstark die Show. Das konnten wir natürlich nicht zulassen und so gaben wir ihr einen Flieger in die Hand, damit ihrem Leben einen neuen Sinn, und schon wurde halb Augsburg von ihr über den Nährwert eines guten deutschen Apfels aufgeklärt.
Zwei, mit viel die umstehende Bevölkerung erheiternden und mordsmäßig motivierenden Hitlersport (Dank an dieser Stelle unseren strammen Kameraden aus Franken, die mit dieser Kampftechnik bereits FDÄ-Geschichte geschrieben haben), ausgefüllte Stunden später war es endlich soweit. Fallobstler diverser braunen Splittergruppen marschierten auf und dabei sind uns zwei Dinge ganz enorm aufgefallen:
1. Der Nazi von heute trägt Haar. Ja, es darf wieder frisiert werden – Mut zur Frisur! Dennoch ist an einigen verirrten Mitläufern dieser Trend offenbar vorbeigegangen und so liefen diese entarteten Exemplare dem Look der letzten Saison entsprechend in bestimmt ziemlich anstrengend zu schnürenden Hüpferstiefeln, Stahlkappen-Ballerinas und zugiger Kopfbedeckung auf. Der frustriert verbitterte Blick ist aber auch in dieses Jahr wieder modisch, scheint ein zeitloser Dauerbrenner zu sein.
2. Den Nazis geht zudem ganz offenbar das Personal aus. Möglicherweise ist dieser Umstand auf die quasi nicht existente Frauenquote zurückzuführen. Nicht nur, dass eigentlich wesentlich mehr gärendes Fallobst erwartet wurde, es war auch glatt der fast identische Wanderzirkus wie immer da.
Aber so „schnell“ sie auch gekommen waren, noch schneller waren sie dann wieder fort. Da wir aber nicht mal ansatzweise Gelegenheit hatten, unser Programm abzuspulen, nahmen wir selbstverständlich umgehend die Verfolgung auf. Anfangs liefen wir noch von einem Polizeikessel in den nächsten, von unserem holden Reichsmarschall Renate auch liebevoll „Kreis des Vertrauens“ genannt, aber bald hatten wir den Bogen raus, denn jedes Mal, wenn wir in Angesicht von Team Green schweißtreibenden Hitlersport betrieben, löste sich die grüne Mauer plötzlich auf, womöglich animiert von unserem zackig-knackigen Stechschritt und unseren wahrlich furchteinflössenden und vor Saft nur so strotzenden Parolen.
Später entschloss sich das Fallobst zu einem ausgeprägten Gärungsprozess in Form einer Kundgebung, zumindest nannten die es so. Doch leider leider war der Sprecher zum Großteil durch das Schnoddern des tieffliegenden Polizeihubschrauber nicht wirklich noch vernehmbar. Wir sind überzeugt, dass uns dadurch unglaublich monumentale Reden entgangen sind, die vermutlich unser ganzes Denken und Leben verändert hätten. Wir waren wahrhaft am Boden zerstört und können nur mutmaßen, welchem tiefgreifender Inhalt wir beraubt wurden.
Das Fallobst hatte diesmal für seine Mottoparty das Thema „Stoppt den Überwachungsstaat!“ ausgewählt. Nach zuvor fernsprechgerätetechnischer Rücksprache mit unserem einzig-einen Führer Alf Thum – möge sein Kühlschrank immer gefüllt sein -, erklärte Reichsmarschall Renate die Nazi-Demo dann auch mit sofortiger Wirkung für beendet und skandierte lautstark FÜR den Überwachungsstaat, was uns hier und dort zwar zuerst einige leicht irritierte Blicke einbrachte, bald aber belustigte Anhänger fand.
Als uns auch das zu langweilig wurde, änderten wir unsere Strategie gründlich. So führte uns unsere geliebte Augsburger Kringelleiterin furchtlos mit einem Gewaltmarsch durch die gefährlichen Straßenschluchten der Fuggerstadt, zeigte uns unsrem Bildungsauftrag gemäß ganz nebenbei noch die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, um gleichsam den braunen Pöbel zu umrunden, so dass fortan das Fallobst standesgemäß zu uns kommen musste (und nicht länger andersrum).
Zuletzt warteten wir ab ca. 18 Uhr lässig bei Frappucino und Plausch in einem Café am Bahnhof auf das Eintreffen des mittlerweilen tiefgefrorenen Fallobsts, da die Demo vorzeitig beendet wurde – hatte Herrn Polt und seinen Spielkameraden wohl nicht so viel Spaß gemacht wie uns. Wir haben uns selbstverständlich nicht nehmen lassen, ihre Deportation gestärkt und aufgewärmt noch mit reichlich Parolen zu versüßen.
Als wir Augsburg schon nahezu nazifrei wähnten, gesellten sich noch zwei junge Männer im antifaähnlichen Look (sowie gleich darauf noch zwei Team Greenler) zu unserer Gesprächsrunde vor dem Café. Sie erkundigten sich nach Armbinden, Mitgliedschaft etc., hatten jedoch nach wenigen Minuten ihr Coming out. Es handelte sich bei ihnen um Mike Nwaiser (Nationales München) + schweigender Mitläufer.
Nachdem Herr Nwaiser geschickt jeder das rechte Spektrum in Bedrängnis bringender Frage nach Holocaust etc. ausgewichen ist und in hübsche Worte verpackte Muspropaganda abgelassen hat, ließ er uns noch großzügiger Weise kostenlose Nachhilfestunde in Sachen Rassenlehre zukommen: „Jede Farbe ist einzigartig, aber wenn sich die Farben mischen, haben wir nur noch eine Farbe. Dann ist sie doch nichts besonderes mehr.“ Wie uns ein Informant aus der linken Szene dann mitteilte, war der Großvater unseres Gesprächspartner Palästinenser. Darauf angesprochen, bestätigte Herr Nwaiser dies sogar: „Ja, aber das ist doch ganz was anderes“.
Man mag es nicht glauben, aber es gibt tatsächlich Momente, da fehlen sogar unserem eloquenten „Minister für die Reinerhaltung des Deutschen Obstbestandes“ die Worte – auch eine ganz neue Erfahrung für uns^^.
Heil Boskop!
P.S. Nach eigener Aussage beabsichtigt das Fallobst wiederzukommen. Doch Augsburg keine Panik – wir auch!