Archiv für März 2008

Neonazidemo in Augsburg 29. März 2008

März 31, 2008

Das Fallobst hat seine Drohung erwartungsgemäß wahr gemacht und unser schönes Augsburg erneut – und ebenso erneut sinnfrei – heimgesucht. Es war unsere heilige Pflicht, ebenfalls zu erscheinen und den heldenhaften Kampf um die Straße gegen das rumgährende Fallobst zu führen. Nur schon, weil etwa 80 % der anwesenden Nazis mal wieder aus München angereist waren, unter ihnen unser Fan-Nr. 1 Mike Nwaiser.

Die heutige Party hatten die Neonazis unter das Motto „Gegen kriminelle Tendenzen“ gestellt und so waren auch gaaaaaanz viele von ihnen gekommen, nämlich wenn man es dolle aufrundet immerhin 1/3 der ursprünglich angemeldeten 300 Teilnehmer. Die ebenfalls angereisten Mitglieder der DVU (Ja, es gibt sie noch, wir haben es selbst nicht glauben wollen.) bereits mitgezählt. Die wollten allerdings nicht zu direkt mit den anderen Fallobstler laufen und waren so immer deutlich durch ein/zwei Polizeibusse von ihnen getrennt.

Bereits bei der Nazisammelstelle am Bahnhof Oberhausen, standesgemäß hinter dem Braunglas-Container und den Absperrungen, die der gesamten Szenerie etwas von Samstagsausflug in den Zoo zu den Glatzkopfantilopen gab, wurde uns leider just in dem Moment, da der allseits geliebte Kringelleiter Augsburg Luft für seine moralisch aufbauende Ansprache holte, die Benutzung unseres Megaphones durch Team Green verboten. So hieß es vorerst warten, Parolen schreien, warten, Frühstück holen, warten. Denn die Demo hatte eigentlich bereits längst begonnen, aber natürlich habens unsere braunen Freunde nicht mit deutschen Tugenden wie Pünktlichkeit und so. Nichts desto trotz war unsere Freude grenzenlos, als wir unseren Lieblingsnazi endlich im Käfig rumspazieren sahen und auch er hatte uns sofort bemerkt, was keiner Wunder ist bei unseren eifrigen „Mikey, wir wollen ein Kind von dir!“-Rufen.

Irgendwann ging es dann doch endlich mal los – zeitweise im Gänsemarsch und über den tarnfarben angemalten Lautibus die Schulhof-CD rauf und runter spielend – und auch das typische Ritual der Nazieskorte nahm ihren Lauf, so dass wir mal neben, mal hinter, mal vor dem Zug auftauchten.

Im Grunde eine ganz typische und leider auch etwas langweilige Nazidemo, denn das Fallobst wurde es nicht müde, die gesamten 6 Stunden immer wieder das gleiche Ritual zu wiederholen: Gänsemarsch + Schulhof-CD, im Kreis aufstellen, Reden halten, die eh kein Mensch vernehmen konnte (dafür wurde reichlich gesorgt), dabei üppig über Team Green schimpfen und von den eigenen Kameraden, die größtenteils gelangweilt in der Gegend rumstarrten beklatschen lassen. Dann wieder Gänsemarsch…… So wars an tatsächlich jeder Station (von ihnen auch optimistisch Kundgebung genannt) ihres Kompostiervorgangs. Es gab kaum Abwechslung, so dass es einfacher erscheint, die Ausnahmen aufzuzählen:

1. Wertachbrücke – von einem Fallobstler der selbsternannten Autonomen Nationalisten hämisch mit einem Orangensaftfläschchen bedroht worden. Bei Boskop, war das gruselig.

2. An der blauen Kappe – das muss man sich folgendermaßen vorstellen: Nazis, dann kommt lang nix (vermutlich damit auch niemand den Schwachsinn hört), irgendwann eine grüne bzw. blaue Reihe, dann wir und der weniger gut gekleidete schwarze Block. Es wurden daher harte Verhandlungen mit Team Green geführt. Apfelringe und –marshmallows gegen Meter. Die haben zwar unseren ganzen Vorrat aufgegessen, näher ran durften wir aber dennoch nicht. *arg* Zudem war es schon ein komisches Gefühl, 3 Stunden durch halb Bayern zu fahren, um dann von einem Polizisten aus dem Nachbarort angesprochen zu werden.^^

3. Am Theater – Fallobst war weder zu hören noch zu sehen, da sie vollständig von Gegendemonstranten eingekreist waren. Höhepunkt: Team Paris Blueler waren anwesend, die an den allmonatlichen Gräfenberger Fallobstspielen teilnehmen müssen und freuten sich daher, uns zu sehen. Grüße an dieser Stelle an unsere fränkischen Kameraden.

4. Prinzregentenplatz – Hier nahm das Spektakel (nach unserem Zeitplan ziemlich verfrüht) sein Ende. Jeder, der noch Mitteilungsbedürfnis hatte, durfte nochmal ans Mikro. Es verschließt sich mir aber der Grund, warum die sich hier nun immer HINTER dem Lautiwagen versteckt haben.

Alles in allem lässt sich sagen, dass dem Fallobst das Rumgähren nicht allzuviel Spaß gemacht haben kann – zumindest guckten die alle so grimmig – angesichts des höhepunktlosen Standardprogramms, das sie durchzogen und noch dazu hauptsächlich in einem reinen Siedlungsgebiet, also null Passanten oder ähnliches. Mal abgesehen von einigen Afrikanern, die vor einem kleinen Laden stehend das Geschehen beäugten, aber vermutlich weniger dem Zielpublikum der Nazis entsprachen.

Es verwundert daher wenig, dass unsere braunen Freunde diesmal in rekordverdächtigem Tempo mit der Reichsbahn deportiert waren. Es gab schon Augsburger Abende, da dauerte es Stunden bis wieder das Volk in den Bahnhof konnte.

Nichts desto trotz, haben die Neonazis angekündigt, solange immer wieder nach Augsburg zu pilgern, bis Augsburg deutsch IST. Vllt bringen sie zu diesem Zweck dann auch jedesmal wieder ihre Palästinenserfahnen mit.

Heil Boskop!

P.S.
Kurz vor der Abreise trafen wir zufällig Claudia Roth. Sie kennt die FDÄ ja schon von unseren glorreichen Kameraden des Gau Pommern her und hat daher unsere hübsche Uniformierung gleich richtig interpretiert und findet uns Klasse. :-)

15. März 2008 – „Marsch auf Berlin“

März 17, 2008

Zum wiederholten Male rief der renommierte Verein GESICHT ZEIGEN e.V. (http://www.gesicht-zeigen.de) in Berlin zu den Anti-Rassismus-Wochen. Selbstverständlich durfte bei diesem so wichtigen Ereignis die einzig wahre nationale Kraft nicht durch Abwesenheit glänzen und veranstaltete einen Klassenausflug der besonderen Art, der uns erneut der Weltherrschaft näher denn je brachte und diesmal trennten uns nur noch ein paar Meter von der Macht.
Ein Hoch auf unseren Kunstlehrer, Kunstlehrer, Kunstlehrer! Ein Hoch auf Alf Thum!

Schon am Tage zuvor zeichnete sich die Erhabenheit dieses unglaublichen und weltbewegenden Ereignisses ab, denn Gauleiter bzw. höherrangige Offiziere nahezu aller Gaue des Reiches waren entsandt worden und eilten in die Reichshauptstadt voraus, um an der Vorbereitungssitzung teilzunehmen und dem einzig-einen Führer sowie seinem heldenhaften Generalstab zu huldigen und den ebenfalls anwesenden Journalisten und Kamerateams Rede und Antwort zu stehen.

Nach teils 13stündigen Anreise traf tags darauf auch der Rest der tapferen Sturmtruppen per Reichsbahn ein und nach tränenrühriger Begrüßung sammelte man sich auf der Freifläche vor dem Bahnhof in Richtung Reichstag. Aber nicht nur wir, auch eine kleine Delegation von Team Green und Team Blue sowie zahlreiche Vertreter der Systempresse wollten dem Marsch beiwohnen nebst den üblichen Passanten, Schaulustigen und Sympathisanten. Nach tränenrührenden Begrüßungen wurde aufgeflaggt, Banner entrollt, Armbinden angelegt, Krawatten gebunden, Springerstiefel poliert und so hübsch aufgetan mussten wir uns auch nicht schämen, als der Gauleiter des Gau Pommern unter tosendem Applaus und orgiastischen Jubelszenen unseren allseits geliebten Führer ankündigte. Dennoch konnten wir nicht umhin, seiner Ansprache andächtig auf Knien zu lauschen, wenngleich auf Grund diverser Auflage diese sowie folgende ohne Megaphone stattfinden mussten.

Sodann konnte der Marsch starten, der bereits jetzt, zwei Tage danach, in die Archive der Geschichte seinen Weg gefunden hat.
(Wundervolle Lichtbildaufnahmen hierzu sind den untenstehenden Verknüpfungen zu entnehmen.)

Erste Station war das Bundeskanzleramt bzw. zukünftige Führerbunker. Hier wurde abgeklärt, in welchem Raum das neue Billardzimmer eingerichtet wird sowie architektonische Veränderungen, wie eine Tieferlegung des gesamten Gebäudes beschlossen, da es für einen anständigen Bunker noch zu frei liege.

Nachdem diese Details geklärt waren, ging es sodann weiter zum baldigen Zentrum der Macht: dem Heidelberger Schloss und baldigen Regierungssitz des Führungskaders. Auch hier nahmen wir Aufstellung und informierten das interessierte Volk über unsere Ziele und unseren Machtanspruch. Die Resonanz war überwältigend und zumeist überaus positiv. Die Systempresse kam durch zahlreiche Inszenierungen ordentlich auf ihre Kosten und so dürfte auch der ein oder andere Politiker zweimal geguckt haben, als wir unter den belustigten Augen der Sicherheitskräfte unseren Marsch zum Brandenburger Tor fortsetzten.

Aber wir sind nicht einfach hindurch marschiert, schließlich sind wir keine Touristen oder NPDler. Nein, standesgemäß trugen wir unseren Führer auf einer Sänfte, umringt von einer Entourage an tapferen Äpfel hin zum Pariser Platz, das Volk jubelte. Aber auch unseren Freunde von der NPD wurde würdig mit einem lauten Mitleids-Ooohh bedacht, da sie doch so gerne auch in den Genuss kommen würden, eine solche Aktion mal ungestraft zu unternehmen. Spätestens jetzt dürfte klar sein, wer hier die einzig wahre nationale Kraft würdig verkörpert!

In seiner finalen Ansprache lobte der Einzig-Eine unser aller Engagement und verkündete: „Ihr seid die beste Apfelfront, die ich je hatte.“

Wir fühlten uns geehrt und konnten unser Glück kaum fassen, als anschließend zudem noch heilige Reliquien in Form von Haar vom Haupte (und man munkelt auch anderen Körperregionen) des geliebten Führers in praktischen Beutelchen verpackt an alle Mitglieder der FDÄ verteilt wurden. Dank der modernen Genforschung ist uns nun eine schöne neue Welt mit dem richtigen Führer für immer gewiss. Dafür lasst uns dankbar sein!

Während der dann folgenden Aushändigung formschöner Mitgliedsausweise wurde unser geliebter Gauleiter des Gau München untertänigst kniend und gesenkten Hauptes durch des Führers Hand endgültig gesegnet.

So lasset uns stolz verkünden, dass dieser Tag – der Tag, an dem die Front Deutscher Äpfel den Marsch auf Berlin wagte – in die Geschichte eingehen wird!

Heil Boskop!

Hier noch paar Verknüpfungen zur Systempresse:

Spiegel Online
http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,541634,00.html
Welt Kompakt
http://archiv.welt-kompakt.de/pdfaktuell/index.php
Welt Online
http://www.welt.de/berlin/article1814480/Mit_Heil_Boskop-Rufen_gegen_Rechtsextreme.html
Berliner Morgenpost
http://www.morgenpost.de/content/2008/03/17/berlin/952532.html