Das Fallobst hat seine Drohung erwartungsgemäß wahr gemacht und unser schönes Augsburg erneut – und ebenso erneut sinnfrei – heimgesucht. Es war unsere heilige Pflicht, ebenfalls zu erscheinen und den heldenhaften Kampf um die Straße gegen das rumgährende Fallobst zu führen. Nur schon, weil etwa 80 % der anwesenden Nazis mal wieder aus München angereist waren, unter ihnen unser Fan-Nr. 1 Mike Nwaiser.
Die heutige Party hatten die Neonazis unter das Motto „Gegen kriminelle Tendenzen“ gestellt und so waren auch gaaaaaanz viele von ihnen gekommen, nämlich wenn man es dolle aufrundet immerhin 1/3 der ursprünglich angemeldeten 300 Teilnehmer. Die ebenfalls angereisten Mitglieder der DVU (Ja, es gibt sie noch, wir haben es selbst nicht glauben wollen.) bereits mitgezählt. Die wollten allerdings nicht zu direkt mit den anderen Fallobstler laufen und waren so immer deutlich durch ein/zwei Polizeibusse von ihnen getrennt.
Bereits bei der Nazisammelstelle am Bahnhof Oberhausen, standesgemäß hinter dem Braunglas-Container und den Absperrungen, die der gesamten Szenerie etwas von Samstagsausflug in den Zoo zu den Glatzkopfantilopen gab, wurde uns leider just in dem Moment, da der allseits geliebte Kringelleiter Augsburg Luft für seine moralisch aufbauende Ansprache holte, die Benutzung unseres Megaphones durch Team Green verboten. So hieß es vorerst warten, Parolen schreien, warten, Frühstück holen, warten. Denn die Demo hatte eigentlich bereits längst begonnen, aber natürlich habens unsere braunen Freunde nicht mit deutschen Tugenden wie Pünktlichkeit und so. Nichts desto trotz war unsere Freude grenzenlos, als wir unseren Lieblingsnazi endlich im Käfig rumspazieren sahen und auch er hatte uns sofort bemerkt, was keiner Wunder ist bei unseren eifrigen „Mikey, wir wollen ein Kind von dir!“-Rufen.
Irgendwann ging es dann doch endlich mal los – zeitweise im Gänsemarsch und über den tarnfarben angemalten Lautibus die Schulhof-CD rauf und runter spielend – und auch das typische Ritual der Nazieskorte nahm ihren Lauf, so dass wir mal neben, mal hinter, mal vor dem Zug auftauchten.
Im Grunde eine ganz typische und leider auch etwas langweilige Nazidemo, denn das Fallobst wurde es nicht müde, die gesamten 6 Stunden immer wieder das gleiche Ritual zu wiederholen: Gänsemarsch + Schulhof-CD, im Kreis aufstellen, Reden halten, die eh kein Mensch vernehmen konnte (dafür wurde reichlich gesorgt), dabei üppig über Team Green schimpfen und von den eigenen Kameraden, die größtenteils gelangweilt in der Gegend rumstarrten beklatschen lassen. Dann wieder Gänsemarsch…… So wars an tatsächlich jeder Station (von ihnen auch optimistisch Kundgebung genannt) ihres Kompostiervorgangs. Es gab kaum Abwechslung, so dass es einfacher erscheint, die Ausnahmen aufzuzählen:
1. Wertachbrücke – von einem Fallobstler der selbsternannten Autonomen Nationalisten hämisch mit einem Orangensaftfläschchen bedroht worden. Bei Boskop, war das gruselig.
2. An der blauen Kappe – das muss man sich folgendermaßen vorstellen: Nazis, dann kommt lang nix (vermutlich damit auch niemand den Schwachsinn hört), irgendwann eine grüne bzw. blaue Reihe, dann wir und der weniger gut gekleidete schwarze Block. Es wurden daher harte Verhandlungen mit Team Green geführt. Apfelringe und –marshmallows gegen Meter. Die haben zwar unseren ganzen Vorrat aufgegessen, näher ran durften wir aber dennoch nicht. *arg* Zudem war es schon ein komisches Gefühl, 3 Stunden durch halb Bayern zu fahren, um dann von einem Polizisten aus dem Nachbarort angesprochen zu werden.^^
3. Am Theater – Fallobst war weder zu hören noch zu sehen, da sie vollständig von Gegendemonstranten eingekreist waren. Höhepunkt: Team Paris Blueler waren anwesend, die an den allmonatlichen Gräfenberger Fallobstspielen teilnehmen müssen und freuten sich daher, uns zu sehen. Grüße an dieser Stelle an unsere fränkischen Kameraden.
4. Prinzregentenplatz – Hier nahm das Spektakel (nach unserem Zeitplan ziemlich verfrüht) sein Ende. Jeder, der noch Mitteilungsbedürfnis hatte, durfte nochmal ans Mikro. Es verschließt sich mir aber der Grund, warum die sich hier nun immer HINTER dem Lautiwagen versteckt haben.
Alles in allem lässt sich sagen, dass dem Fallobst das Rumgähren nicht allzuviel Spaß gemacht haben kann – zumindest guckten die alle so grimmig – angesichts des höhepunktlosen Standardprogramms, das sie durchzogen und noch dazu hauptsächlich in einem reinen Siedlungsgebiet, also null Passanten oder ähnliches. Mal abgesehen von einigen Afrikanern, die vor einem kleinen Laden stehend das Geschehen beäugten, aber vermutlich weniger dem Zielpublikum der Nazis entsprachen.
Es verwundert daher wenig, dass unsere braunen Freunde diesmal in rekordverdächtigem Tempo mit der Reichsbahn deportiert waren. Es gab schon Augsburger Abende, da dauerte es Stunden bis wieder das Volk in den Bahnhof konnte.
Nichts desto trotz, haben die Neonazis angekündigt, solange immer wieder nach Augsburg zu pilgern, bis Augsburg deutsch IST. Vllt bringen sie zu diesem Zweck dann auch jedesmal wieder ihre Palästinenserfahnen mit.
Heil Boskop!
P.S.
Kurz vor der Abreise trafen wir zufällig Claudia Roth. Sie kennt die FDÄ ja schon von unseren glorreichen Kameraden des Gau Pommern her und hat daher unsere hübsche Uniformierung gleich richtig interpretiert und findet uns Klasse.