Es sollte eine Maischlacht werden wie jedes Jahr aufs Neue – feierlich, orgiastisch bejubelt und absolut grenzgenial. Doch an diesem 1.Mai, dem Feiertag des Apfels, war mindestens ein Umstand anders: Egal wo das braune Fallobst sich entschlossen hatte aufzumarschieren, die einzige wahre nationale Kraft trat ihnen bespaßend entgegen – und zwar reichsweit!
In Nürnberg begingen dieses Jahr ihre Maischlacht die Kameraden des/der:
- Gau Franken
- Ortsgruppe Bamberg
- Ortsgruppe Erlangen
- Gau München
- Gau Bayern
- Kringel Augsburg
Auch eine mehrstündige Blut-Schweiß-und-Tränen-Anreise per Reichsbahn mit gar seltsam anmutenden Reisegefährten – darunter nicht wenige unserer Leute – konnten uns nicht von unserer Pflicht, dem Ruf unserer fränkischen Kameraden nach Nürnberg zu folgen, abhalten. Nicht die Tatsache, dass die Abfahrt verzögert werden musste, weil ein Kamerad sich zu lange auf den Bahnhoftoiletten aufhielt. Nicht der Umstand, dass ein anderer Kamerad seinen Anzug dank der frühen Morgenstunden mit Schoki eingesaut hatte. Und auch nicht die Gnadenlosigkeit schlecht erzählter Witze – die wurden einfach dann solange durchgeprobt, bis sie wieder lustig waren.
Kein Wunder also, dass wir bereits mit ordentlicher Partystimmung endlich auch in Nürnberg ankamen und kurz nach uns auch das heiß ersehnte Fallobst. Unseren flehentlichen Bitten „Stefan, schenke uns dein schönstes Lächeln.“ kamen sie leider nicht nach und räumten stattdessen zügig und relativ schweigsam samt grünem Escort-Service das Feld.
Unsere nächsten Überlegungen bestanden daher darin, ob wir nun auf die Demo gehen sollten oder doch lieber unsere Performance vor Flocke´s Gehege aufführen, konnten uns jedoch nach einer kleinen Stadtrundfahrt und einigen Diskussionen darüber, ob weiße Eisbärenbabys eigentlich gut brennen, doch auf die braunen Bärchen einigen und so nahm uns kurze Zeit später der glorreiche Bamberger Ortsgruppenleiter Flex samt getreuen Adjutanten in Empfang. Diese erteilten Lagebericht, weihten uns in die geheimen Angriffspläne ein und brachten uns in Formation, so dass nach feierlicher Aufflaggung der Marsch gen Lorenzkirche und damit zu den restlichen Kameraden der Bamberger Ortsgruppe, dem Gau Franken und der Ortsgruppe Erlangen erfolgen konnte. Dank unserer guten deutschen Tugenden kamen wir auch gerade pünktlich, um uns in den großen Gegendemonstrationszugs des DGB und diverse anderen Gruppierungen einzureihen, den wir durch zackigen Stechschritt, kraftvolle Parolen und diversen weiteren Aktionen bald geradezu beherrschten. Von der Presse geliebt, vom Volk umjubelt stießen wir um Punkt 12 Uhr mit dem gesamten Zug auf das Hindernis „rote Ampel“. Dem Frischobst ganz Vorbild hielten wir selbstverständlich an der Haltelinie und skandierten zur Signalanlage lautstark „GRÜN, GRÜN, GRÜN,…“, bis diese unter tosendem Applaus der restlichen Gegendemonstranten dem herren Druck der Forderung der Apfelfront nachgab und entsprechend umschaltete.
Bald darauf kamen wir zur Kreuzung Hintermayrstraße/Welserstraße/Äußere Bayreuther Straße, an der später auch das Fallobst entlang gären wollte. Einer möglichen Blockade kam uns jedoch das in großer Zahl anwesende Team Green zuvor, was auf Grund der etwas angespannten Situation auch bald zu kleineren Ausschreitungen führten, in dessen Verlauf mehrere Leute verletzt wurden. Flaschen, Steine, Tränengas und Schlagstock kamen reichlich zum Einsatz, weshalb wir es auch schnellstens vorzogen, uns an die Hauswand zurückzuziehen, durchzuzählen und die fränkische Gauleitung nach eingehender Konsultation der Straßenkarten einen Alternativplan ersonn.
So zog es uns dann hin zum Rathenauplatz, wo auch die große NPD-Kundgebung stattfinden sollte. Die Szenerie war einen Anblick wert: Vor uns, auf der anderen Seite der Kreuzung 1.500 Nazis, auf der Kreuzung selbst zahlreiche Einsatzkräfte der Teams Green, Blue und Black, gesäumt von wie es heißt 1.000 Absperrgittern. Dann wir vorn am Gitter mitsamt tausender Gegendemonstranten. Oben, auf den Dachterrassen der Geschäftsgebäude die Kameramännchen der Polizei, die auf den ersten Blick wie Scharfschützen anmuteten.^^
Hier sollten wir für die nächsten Stunden unser Zuhause finden, denn ehe wir uns versahen, waren wir auch schon von allen Seiten eingekesselt bzw. Nein, wir hatten die Polizei ausgekesselt! Klingt ungemütlich, aber eigentlich war´s ganz kuschlig. Während unsere Frischobstler sich über den ersten Kessel ihres Demolebens freuten begannen Brot und Spiel der FDÄ. Es wurden flammende Reden gehalten, gar liebliche Parolen gebrüllt , Limbo getanzt und Walzer, Hitlergesportelt, Wellen gemacht und mehrere Kilo Apfelringe unters Volk gebracht. Nicht zuletzt deshalb dürften einige der Einsatzkräfte – die immer näher kamen und offenbar unserer Bitte um eigene Kesselung nachkamen – auf Nachfrage mitgeteilt haben, dass sie ganz froh seien, bei uns stehen zu dürfen und nicht bei den politisch Desorientierten. Der ein oder andere Team Greenler konnte sich das Schmunzeln ob unseres Auftritts auch nicht verkneifen. Sinngemäßes Zitat des Franken-Gauleiters Fritz Sturm: „Aha! Ich habs genau gesehen. Sie haben gelacht!“^^ Was nicht wirklich zur Ernsthaftigkeit der Situation beitrug.
Auch unser Münchner Lieblingsnazi und Fan der FDÄ Nr. 1 Mike Nwaiser lies sich nach telefonischer Kontaktaufnahme per Bewegfernsprecher und mehrmaligem Ausrufen per Megaphone am Gitter des Fallobstgeheges blicken. Tja, wir können halt nicht voneinander lassen.
Irgendwann nachmittags war der braune Spuk dann überraschend zu Ende. Überraschend schon deshalb, weil ich persönlich jetzt von einer Kundgebung erwarte, dass etwas Kund gegeben wird. Entweder waren wir zu laut oder das Fallobst hatte ein ernsthaftes Problem mit dem Lautisprechsystem. Naja, vermutlich haben wir nichts Wichtiges verpasst. Lustig anzusehen war auf jeden Fall, wie die braunen Reihen Formation aufnahmen, Richtung Gitter marschierten, dann jedoch offenbar erfuhren, dass sie genau in die falsche Richtung gelaufen sind und sich daher das Schauspiel (auf Grund Fahnen- und Bannersortierens doch etwas zeitintensiv) nochmal andersrum wiederholte. Niedlich. Hatte was von Polonaise.
Auf jeden Fall waren wir wesentlich schneller als die Nazis beim Bahnhof. Stilgerecht mit Banner und Fahnenträger an den Seiten selbstverständlich sowie unseren sinnlichen Parolen und unserer lautstarken Befehlshaltung roten Ampeln gegenüber. Wir hatten sogar noch Zeit, uns in einem imperialistischen Schnellrestaurant zu stärken. Später hatte dort der Bamberger Ortsgruppenleiter wohl noch eine kleine Begegnung mit drei Nazis auf der Toilette, die ihm die Nachfolge Udo Voigts anboten, wie man hört. Die sind wohl ihres Vorsitzenden müde.^^
Da wir uns dann noch geschickt ununiformiert und in kleinen Gruppen um die Polizeisperren im Bahnhof herumschlichen, waren wir bereits alle im Zug, als das Fallobst eigentlich abfahren wollte. Tja, Pech. Diesmal mussten die warten und wurden schlussendlich erst mit dem nachfolgenden Zug deportiert.
Kumulierte Beträge:
Fallobstler: 1.500
FDÄler: ca. 40
Gegendemonstranten: 10.000
Team Green, Blue, Black: 3.000
Polizieeinträge: 2
Apfelringe in Kilo: ca. 5
Zugschaffner, der uns anhand der Buttons erkannt und überschwenglich unser Engagement lobte: 1
Parolen des Tages:
Grade keine Nazis da, kuscheln wir die Antifa!
Hoch die multipolygame Sexualität!
Zicke zacke, zicke zacke – F-D-Ä!
HEIL BOSKOP!!